Dienstag, 24. März 2009

Lonely Ghosts + The Michells @Hafenklang

Mein erstes Konzert im neuen, alten Hafenklang. und dann noch von dem Held meiner Jugend Tom Denney ( Ex-Help! She Can't Swim! und endlich mal wieder eins mit Luzie und Rike!
So sehr gefreut habe ich mich in diesem und im letzten Jahr auf kein einziges Konzert. Also vielleicht noch Jaguar Love, aber da war ich gleichzeitig sehr traurig, dass die Blood Brothers tot sind. Help! She Can't Swim haben sich zwar auch im letzten Jahr aufgelöst, die Trauer war jedoch nicht so groß wie bei den Bros. Möglicherweise weil deren Trennung absehbarer war, und die Bandmitglieder nach dem Split zueinander freundschaftlicher wirkten.
Lonely Ghosts wurde 2006 von Tom als Ein-Mann-Projekt gestartet, zunächst als Neben Projekt der tollen Brightoner, musikalisch schwer zu beschreibenden H!SCS, nach deren Auflösung wurde LG immer wichtiger. In diesem Jahr wurde nun von dem DIY-Indie-Label OIB Records ein Minialbum veröffendlicht. Grundgenung um endlich auf Europa Tour zu gehn! Also hat Tom im Dezember über Myspace gefragt: LOOKING FOR EUROPEAN PROMOTORS !!! Hello anyone out there in Europe!!
In 2009 Lonely Ghosts want to come and start playing shows in Europe. If anyone out there puts on shows or can recomend any people who do, please get in touch and we can discuss details!!! ANY HELPS IS MUCH APPRECIATED!!! tom xxx "

Als Vorband waren die Berliner The Michelles mitgekommen. Die hatte ich schon 2007 auf dem ersten Dockville gesehn. Musikalisch sind sie nicht wirklich innovativ. Interessanter war es da, dass sie einige der Lieder spielten, die ich noch kannte. Allerdings mit anderen Namen. Komisch war es allerdings, dass höchstens 25 Leute da waren (die von Lonely Ghosts mitgezählt). Zu diesem Zeitpunkt hab ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht, schließlich gibt es öfter Konzerte wo da Publikum erst zur Hauptband kommt.
Aber nicht hier: Auch als Tom und seine Freunde auf die Bühne kamen waren nicht mehr Leute da..

Egal! Tom ist immernoch toll! Diese Stimme! und überhaupt so cool! Dieser tolle Stil! Das wirklich coole Shirt! (ist es eine H!SCS Anspielung?!)
Musikalisch klang es doch sehr stark nach H!SCS, weniger nach den eher ruhigen Songs, wie sie auf Myspace zu hören sind. Wirklich toll!
Noch vor dem Konzert hat Rike mal wieder versucht Bandshirts in Girly XS zukaufen, zwar hatte sie keinen Erfolg. Aber Tom tat ihr Schicksal so leid, dass er ihr versprach, wenn er das nächste mal in Hamburg ist, entweder kleine Shirts zu haben oder er schenkt ihr was. Schließlich machen sie "music for small people". Überhaupt waren die Merchpreise sehr toll, ein Shirt für 10 €, 4 (!!!) Badges für 2... Und dann wurde Rike auch noch das wunderbare Lied "Happy Lovers/Friends Forever" gewitmet! ich glaube sie war ziemlich glücklich

Die beiden Anderen haben sich an den Instrumenten abgewechselt..

Leider musste Rike ihren Zug um halb 1 kriegen, daher mussten wir Tom's Einladung zum Tabletennis ablehnen. wirklich sehr schade.
Alles in Allem jedoch ein wirklich toller Abend! ich wünsche wir mehr solcher Konzerte!
(Pia)

Sonntag, 1. März 2009

Crystal Stilts @ Motorbooty Live![Molotow] (28.02.)

Eines der wirklich tollen Dinge am Molotow ist, dass vom Mädchenklo aus jedes Wort aus dem Backstage zu hören ist... Crystal Stilts haben sich über Seatle, Hamburg, die Reeperbahn und den Geburtstages ihres Bassisten unterhalten... Lange hab ich nicht mehr eine so gut gelaunte Band gehört. Diese sehr fröhliche Stimmung steht im starken Kontrast zu der eher dünsteren Musik der Band. Dieser Eindruck des Düsteren entsteht hauptsächlich durch die einzigartige Stimme ihres Sängers. Sie lässt sich am besten mit Ian Curtis vergleichen. Dieser Vergleich nervt, da jede Band, die einen Sänger mit tiefer Stimme hat, mit ihm verglichen wird. [beispielsweise ist das immer die einzige Referenz von Interpol oder Editors]

Die anderen Elemente ihrer Musik unterscheiden sich allerdings sehr stark von den obengenannten. Besonderes durch die zum Tanzen animierende Orgel, was eher fröhlich wirkt. Deshalb unterscheiden sich Crystal Stilts auch stark von Bands wie Jesus & Mary Chain,Velvet Underground, Dadamah,The Chills und Gun Club, die ihnnen auch noch als Referenz dienen könnten. Die Cryal Stilts haben es also geschafft ihre eignene Version von minimalistischem Post-Punk, Gothic Blues und Psychedelic zu schaffen.

Besonderes auffällig am Konzert war, dass die Ansagen zwischen den Songs nicht von dem Sänger gemacht wurden, sondern von dem sehr sympatischen Orgelspieler. Ihre Schlagzeugerin spielte übrigens die ganze Zeit im stehen..

Als Opener fungierte das nicht auf ihrem Album "Alight Of Night" enthaltene Lied "Thru Floor", danach kam "The Dazzled" und sechs weitere vom aktuellen. Das folgende Lied war neu und läuft noch unter seinem Workingtitle "Poopface"(was ein sehr lustiger pupertärer Titel sei wie mir Kyle [ist noch bei den Ladybuck Transistors] nachher noch erklährte). Als letztes Lied spielten sie die B-Seite der "Love is A Wave"-7" "Sugarbaby". Das Publikum wurde außerdem noch animiert dem Geburtstagskind ein Ständchen zu bringen, am besten ein deutsches, "Happy Birthday to you" geht aber auch, dann aber bitte mit seltsamen deutschen Akzent.

Im Gespräch erzählte mir Orgelspieler außerdem noch, wie sehr er von Hamburg shockiert sei, was er während des konzertes auch schon meinte: "I've never seen so mutch penisstuff". Heute abend wird sich Luzie die Crystal Stilts noch mal im Gleis22 in Münster sehn, da die Band so nett war sie nochmal auf die Gästeliste zu setzten. Ich bin gespannt was sie zu berichten hat, ob das Konzert genauso gut wie dieses war. Dies war wirklich eines der besseren Molotowkonzerte, wenngleich es viel zu kurz war, aber das ist ja bei Motorbooty live! immer so.
(Pia)

Dienstag, 17. Februar 2009

Wenn sich der gute Herr Hamann da mal nicht irrt. Mehr als zwei Stunden durfte man sich am vergangenen Freitag im Altonaer Zeise Kino von den alten und neuen Klängen ClickClickDeckers (und Band) verzaubern lassen.

2007 stand Herr Click das letzte Mal mit Band auf der Bühne, somit war auch seine zu Beginn angepriesene Nervosität recht nachvollziehbar. Natürlich spielten dabei auch der ausverkaufte Saal, der Release und diverse andere Dinge eine Rolle.
Grundsätzlich verlief das gesamte Konzert zweigleisig: Teils akustisch, teils mit Band. Diese stellte an jenem Abend Oliver Stangl, Simon Rass und Lars Lewerenz dar.

Akustisch begann es. Mit der Zeit verschwand die Aufregung und die Band wurde auf die Bühne gebeten. Danach ging es wieder allein weiter. Schließlich kam es zu einem kleinen „Den Umständen Entsprechend“ Duett zwischen Kevin und Sascha (bekannt aus einigen Youtube-Videos) Schon war der erste Teil des Abends auch schon vorbei. Eine kleine Bier-, Rauch- und Pinkelpause und weiter ging’s…

…mit einer kleinen Premiere, nämlich der Videopremiere zur zweiten Singleauskopplung „Händedruck am Wendepunkt“. Einfach nur genial!
Zum Sound allgemein kann man sagen, dass der Kinosaal perfekt dafür war. Durch die Schalldämmung kam ein wunderbar klarer Klang rüber und es war sehr angenehm zuzuhören, auch nach längerer Zeit.

Die Band kam noch einmal auf die Bühne. Verschwand. Tobias Bade setzte sich ans Klavier. Kevin und er spielten. Tobias verschwand und Kevin ließ das Konzert allmählich ausklingen. Klar wurde eine Zugabe gefordert, die Kevin dankend einlöste. Dann hieß es jedoch: Der letzte Song des Abends. Irgendwann sind schließlich auch Grenzen erreicht und an diesem Abend lag sie eben bei knapp über zwei Stunden Spielzeit. Großartig. Man kann alle Beteiligten nur mit ganz ganz viel Lob überschütten, denn diese Darbietung, welche man dort erleben durfte wird man sicherlich nicht so schnell wieder sehen, hören und genießen dürfen. Trotz alledem: Auf eine Wiederholung!
(Marcel)

Sonntag, 18. Januar 2009

Das Ende vom Hafenklang EXIL (Bratze; Knarf Rellöm Trinity; Schlammpeitziger)

Hat jemand eigentlich mal eine empirische Untersuchung darüber gemacht, in welchem Maß die Qualität eines Konzertes abnimmt wenn der Mädchenanteil steigt?
Falls nein, gestern wäre die Gelegenheit gewesen das nachzuprüfen.

Obwohl auf den Flyern stand, es solle um 22 Uhr los gehen, und wir dann ungefähr vorm Hafenklang waren. Sprach das Plakat eine andere Sprache: Schlammpeitziger : ungefähr 00:00; Knarf Rellöm Trinity um 2 oder so und Bratze um 3:16 (das hab ich mir gemerkt).
Was also tun? da wir vorher auf der israelsolidarischen Kundgebung in der City waren (18h), danach im Cafe Knuth Kaffee getrunken haben, waren wir nun schon in Altona. Also haben wir uns ins Hafenklang gesetzt, Roggenbrötchen gegessen und dem sehr von seiner Arbeit begeisterten DJ zu gesehen [und uns über Refused und Helge Schneider gefreut].
Langsam wurde es voller und die Zeit verging schneller als erwartet, um halb eins wurde schließlich kurz die Musik ausgemacht, um darauf hinweisen zu können das es jetzt unten los geht:

Als erstes spielte der wunderbare Schlammpeitziger, hinter ihm liefen faszinierende Videoinstallationen, bestehend aus auf Waldboden geschnittenen Breakdancern, oder Nahaufnahmen von Badezimmerkacheln. Die wurden von der Frau mit der Brille gemacht, wie sie am Schluss genannt wurde. Die Musik von Schlammpeitziger lässt sich kaum beschreiben, sie wirkt live auch völlig anders als die myspace aufnahmen. Irgendwie eine faszinierende Mischung aus super anstrengend, sehr entspannend und ganz höflich zum Tanzen auffordernd.

Danach sollten eigentlich recht schnell Knarf Rellöm Trinity folgen, doch die Technik spielte nicht mit. Daher eine kurze Verzögerung, die Trinity zieht ihre Kostüme an. Es geht los, doch der Bass ist nicht zu hören. Gute Musiker können dann natürlich so lange jammen bis das Problem behoben ist. Die Stimmung ist perfekt. Neben uns stehen und tanzen sehr nette Herren, die sogar als „Jesus und die Probleme“ mal auf die Bühne dürfen. Alle haben ein Lächeln auf dem Gesicht (na ja zu mindest so weit ich sehen kann) und bewegen sich. Das Publikum kriegt Aufgaben und wird aufgenommen. Es wird eine ganz lange Zugabe gespielt, doch irgendwann (so gegen halb drei) ist der Zauber vorbei.

Schon während der letzten Minuten hat sich im Publikum ein Wechsel vollzogen. Der Altersschnitt wurde gesenkt, und vorne stehen ganz plötzlich viel mehr Mädchen, in vermeintlich coolen Kostümen, oder zu mindestens cooler Kleidung (beispielsweise eine John-Lennon-Brille, natürlich ohne Stärke). Es wird routiniert umgebaut und gesoundchecked während Musik läuft (zum zweiten Mal Refused, diesmal jedoch ein Remix). Alles ist fertig und Bratze fangen mit leichter Verspätung an. Nicht 03:16 sondern eher halb Vier. Ich mag Bratze wirklich gern und sie sind sehr sympathisch. Doch durch die Veränderung des Publikums macht es nicht so viel Spass, wie es eigentlich möglich wäre. So bekommt ein ziemlich unfähiger Typ von Lars (der Audiolith-Chef) eine Unterweisung, wie man stagedived, es klappt natürlich trotzdem nicht. Sehr amüsant. Bratze geben sich wirklich viel Mühe, aber irgendwie bin ich viel zu genervt von dem Mädchen mit der John-Lennon Brille, [und den „Wodka-Redbull-Antifa“-Rufen, klar Antifa kann ihre berechtigung haben, die Sticker mit dieser Aufschrift waren ja ganz lustig; aber was ist bitte hieran subversiv?] um das angemessener weise zu genießen. Sehr schade. Wie toll müsste es gewesen sein, die beiden vor dem anfänglichen Publikum gesehen haben zu können?
[Es gibt keine Fotos von mir, da keine Kamera mit war.]
(Pia)

Freitag, 31. Oktober 2008

Who we are and what we demand / Anything Leon does, I can do better

Who we are and what we demand:

“denkst du bist geil weil du unbekannte bands
hörst?
"was ich nicht mag: den NME"
pseudoalternative hässlichkeit“


Was will uns dieser Eintrag, der eines Tages auf der „Schülervz“-Pinnwand einer Freundin auftauchte, sagen?

Dass viele Menschen in unserem Alter, wir eingeschlossen, ihren Musikgeschmack wie Schmuck mit sich herumtragen um Eindruck zu schinden?

Meiner Meinung ist die Frage nicht neu und ich selbst habe schon oft gedacht, dass dies bei so manch einem wirklich der Fall ist, auch wenn es sich meistens um die 14 jährigen an meiner Schule handelte, die mit einem „Mando Diao“ - Shirt beeindrucken wollen.

Hmm, vielleicht ein gar nicht so schlechtes Beispiel.

Angenommen, ein Klassenkamerad macht nun den Shirt–Träger an, er solle nicht mit seinen „unbekannten Bands“ prahlen: Käme uns das nicht irgendwie affig vor?!

Warum sollte man jemanden anmachen, nur weil man seine Lieblingsbands nicht kennt? Natürlich scheint die Argumentation logisch, wenn eine Band „unbekannt“ ist, kann sie nicht besonders gut sein, also kann sie es nicht wert sein, als Lieblingsband aufgezählt zu werden. Doch wer so argumentiert, noch dazu auf der subtil-beleidigenden Ebene des anonymen Verfassers des Eintrags, der übrigens mehrmals auf die Unattraktivität der Freundin zu sprechen kam, hat meiner Meinung nach den Sinn der Musik verfehlt und ist es nicht mal wert, The Prodigy zu hören, auch wenn sie kacke sind.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Musik für uns eine größere Bedeutung hat, als bloßer Zeitvertreib oder der Soundtrack zum Alltag. Für uns (ich spreche damit für all die Leute, die der Verfasser in die „mit unbekannten Bands angeben“-Schublade steckt) ist Musik hören eine Leidenschaft, die man nicht weiter erklären kann und einfach nur aus Rechtfertigung auch nicht muss.

Teil dieser Leidenschaft ist es einfach, sich auch theoretisch weiterzubilden, wie gesagt, aus Leidenschaft und nicht aus Pflichtgefühl. Dazu gehört dann zum Beispiel, dass man sich die ersten Demos des 13-jährigen Conor Oberst anhört oder versucht, im Abschlusschor von „Stayin alive“ auf „Ugly Organ“ von Cursive seine Stimme herauszuhören, weil man gelesen hat, dass er dort mitsingt. Oder das man andere Bands von Johnny Whitney checkt, weil man wissen will, was er noch so drauf hat. Und natürlich kommt man da schon mal in „unbekannte“ Gefilde. Ein Briefmarkensammler darf doch auch nicht immer nur die blaue Mauritius suchen.

Und warum sollte es ausgeschlossen sein, dass man auf der Suche nach mehr auch Perlen findet und sie dermaßen ins Herz schließt, dass man sie zu seinen Lieblingsbands zählt?! Bei mir z.B. so geschehen mit Rocky Votolato, von dem ich irgendwann mal im Zusammenhang mit seinem Bruder Cody (Gitarrist der Blood brothers) las. Wer weiss, vielleicht wäre ich sonst nie auf ihn gestossen.

Ich sehe nicht ein, mich aufgrund solch schwacher Argumente in dem was ich höre einschränken zu lassen. Solche Leute wollen nicht, dass man unbekannte Sachen hört, sind aber auch prinzipiell gegen alles, was der Mainstream zu bieten hat, was natürlich auch nicht richtig ist. Genau so kotzen mich Leute an, die bestimmte Genres generell ausschliessen.

Ich höre, ohne Vorurteile vom Genre, was mir Spass macht, was mich zum nachdenken bringt, ein „Wow!“- oder „Das ist es!“ Gefühl weckt oder der Beat meine Beine zum tanzen bringt. Und ich finde es gerade spannend, wenn mir bekannte Künstler auf anderen Gebieten herumexperimentiern, wie zum Beispiel Darren Hayman, der nach seiner genialen Brit-pop-Band Hefner mit The french den Weg der elektronischen Kinderpop-Musik einschlug. Oder Bob Dylan, der sogar die Schwarzen mit seinem Soul („Ballad of a thin man“) begeistern konnte, unter Weißen Folkies mit Rock Aufsehen erregte oder mit dem „Subterranean homesick blues“ den wohl ersten Rap auf Band brachte. Vom großen Genre-Chaos auf „The shape of punk to come“ brauche ich hier gar nicht anzufangen.

Langsam habe ich auch keine Lust mehr, ernsthaft auf solche blöden Kommentare zu antworten, immer dieselben Antworten auf dieselben Fragen. Aber irgendwie gehört das doch auch zur Musik dazu…Dass es immer Leute geben wird, die Musik nicht einfach als freie, wilde Kunstform ansehen können, sondern für alles Gesetze und Regeln brauchen. Wenn das so ist, so fordern wir eine genaue Regelung, was wir hören dürfen, was nicht und wer „unbekannte“ Bands hören darf.

Wenn man sich nicht auf eine Regelung einigen kann, so bleibt die Musik wohl vogelfrei. Jeder darf hören was er will, jeder darf spielen was er will und Musik kann klingen, wie sie will. Dann ist es wieder so wie ganz am Anfang. Als Höhlenmenschen mit Knochen auf Steine hauten und die ersten Massen mit ihren Beats zum schwitzen brachten.
(Johannes)

Dienstag, 28. Oktober 2008

BLACK BOX REVELATION + SECRET 9 BEAT @ Palace Akropolis, Prag

Prag schafft es aus dem Konzert einer zweitklassigen Band ein erstklassiges zu machen. Black Box Revelation sind nicht gerade innovativ und trotzdem ist es niemals langweilig gewesen. Dies liegt mit ziemlicher Sicherheit an dem Publikum, während es in Hamburg eher darum geht gesehen zu werden und möglichst cool zu wirken, fehlt dies hier völlig. Statt der Szenepolizei stehen hier in der ersten Reihe euphorische Menschen, die einen tollen Abend erleben wollen. Es herrscht ein riesiger Hunger nach guter Musik Spasz, was jedoch nie so zwanghaft versucht wird zu erreichen. Überhaupt gibt es eine unglaubliche Gelassenheit, die sich auch in der Mode wiederfindet. Das Publikum besteht nicht aus einer homogenen Masze, sondern aus allen „arten“ von alternativen Menschen, die sich verschiedensten Musikrichtungen zuordnen lassen. So trägt jemand beispielsweise ein Nirvana-Shirt und ist trotzdem völlig unpeinlich. Die Akzeptanz ist sehr groß und die Atmosphäre freundlich und offen. Möglicherweise liegt dies daran, dasz der Alterschnitt bei ca. 25 und nicht wie in Hamburg bei 15 liegt (liegen wird). Die Indie-Jungen und –Mädchen, welche das Hamburger Konzert sicher bevölkert haben, gibt es hier nicht. Einzig ein Pärchen welches LegoHairCut, SkinnyFitJeans und PolkaDotDress trägt gibt es, aber das sind Touristen, immerhin ist es über 20 hat also wenig mit den hamburger Indiestylern gemein. Es hat es also nicht nötig sich wegen seiner Adoleszenz und des einzigartigen Stils wegen überlegen zu fühlen.

Auch auf der Strasze läszt sich eine Gelaszenheit und Coolnesz erkennen, die einzigartig ist. Im Gegensatz zu Hamburg scheint es hier keine allgemein zwingenden Trends zu geben. Statt der allgegenwärtigen Leggins , 80’s Shirts, trägt hier jeder etwas anderes. Auch gibt es hier keine verwirrten Kinder, die sich als Teil einer Jugendkultur verstehen. Allerdings gibt es in Prag auch ein Manko sehr viele Menschen tragen Kufiyas, ohne etwas über die Bedeutung zu wiszen. Es gibt jedoch keine Kampagne dagegen, dafür immerhin eine gegen Thor Steinar.

Wie bereits am Beginn gesagt, das eigentliche Konzert war nicht gerade herausragend, wurde hauptsächlich vom Publikum getragen. Der Band schien es sehr viel Spasz gemacht zu haben. Der Support war eine tschechische Band, Secret 9 Beat. Sie hatten große Post-Punk-Anleihen und erinnern in ihrer Aggressivität an die frühen Aufnahmen von Joy Division als Warsaw. Abgemischt waren sie grässlich. In der Umbaupause haben sie auch Joy Division gespielt, tBBR waren sehr spielfreudig und haben eine nicht auf der Setlist vermerkte Zugabe gespielt.

Erst nach dem Konzert ist mir wirklich bewuszt geworden wie früh alles zu ende war. Bereits zum 19:20 spielten S9B und um 9 spielten tBBR, um halb11 dann Schlusz. (Pia)

Bratze

2/3 der Bratze SH-Tour liegen nun hinter mir. Kaum zu glauben dass ich diese audialen Anstrengungen mit meinem aufgezwungenen Klausurenstress vereinbaren konnte. Nunja, Flensburg, Husum und Rendsburg waren die Haltestellen, wobei Flensburg zu weit weg ist um einen kleinen Abstecher zu riskieren. Spontan entschied ich mich dazu meinen Freitag im Husumer „Club“ zu verbringen. Also angezogen und losgedüst. Allein die Hinfahrt war ein Erlebnis für sich. Ich kam mir vor wie in einem schlechten amerikanischen Teeniehorrorfilm. Starker Regen und lila Blitze ließen mich zweifeln ob wir überhaupt ankommen würden. Umso erleichternder war es das Husumer Ortsschild zu sehen.

Wir hatten es geschafft… leider in dieser ganzen Hektik zu früh. Die Uhren schlugen 8, das hieß noch 2 Stunden warten. Ärgerlich. Also musste man sich die Zeit vertreiben. Schlecht dass wir uns in Husum befanden. Neben dem Club tobten angetrunkene 40-50-jährige bei einer 70’s-Party. Beneidenswert. Wir standen draußen im Nieselregen und versuchten den Klängen von Dr. Alban zu lauschen. Schließlich begannen wir uns von Unterstand zu Unterstand vorzukämpfen, immer mit dem Ziel vor Augen das nahe gelegene Kino zu erreichen. Enttäuscht von der Posterwerbung verließen wir dieses auch wieder, kauften legale Drogen und peilten den Club an. 22 Uhr – Einlass. Juhu! Unser erstes Glas Hochprozentiges hatten wir uns wirklich verdient. Dann hieß es warten. Und warten. Und nachschenken. Und wieder warten. Unfreundliche Ego-DJs hinderten mich daran etwas Abwechslung in ihre ach so tolle Indie-Playlist zu bringen. Egal. Nächstes Glas. Irgendwann sah man zwei bekannte Gestalten in diesen geschätzten 20 m² herumturnen. Nach näheren Betrachten war ich mir sicher dass es sich um die abendlichen Protagonisten handelte. Man durfte aufatmen. Um dann auch noch etwas sehen zu können, begann ich mir einen kleinen Weg durch die 30 erwartungsvollen Leutchen zu bahnen. Am Ziel angekommen ging es auch schon los. Ein Intro. Merkwürdig klang es. Nach einer Konversation, wobei ein Teilnehmer nichts anderes zu sagen vermochte als ein kurzes „Ja!“. Tripmeister Eder. Immerhin etwas zum lachen.

Etwas verwundert über die Örtlichkeit fingen Kevin und Norman an zu spielen. Logischerweise begann es mit einer kurzen Vorstellung alla Dudikoff, somit wusste nun auch jeder im Raum, dass Bratze auf dieser provisorisch gebauten Bühne standen. Irgendwann waren die beiden sichtlich erschöpft, also hieß es erst einmal Pause machen. Kurz ausgeruht und weiter ging es. Schließlich wurde der „letzte“ Song angekündigt. Leider blieb den beiden, eingekesselt von der Masse und mit Zugaberufen bejubelt, nichts anderes übrig als sich den Wünschen des Publikums zu beugen. So gab es noch zwei wunderbare Songs zu hören. Mit „Auge des Lachs“, nachklingenden Rauschen im Ohr und einem Interview fürs Fanzine endete der Abend um 4 Uhr im Bett. Puh!


Nächster Tag, selbe Prozedur. Obwohl wir, umweltbewusst wie wir sind, den letzten Bus nach Rendsburg nahmen waren wir ein wenig früh da. 18 Uhr, zudem wussten wir noch nicht einmal wo wir uns genau befanden. Irgendwann kamen wir an einen Supermarkt an, den wir auch gleich besuchten. Mit Glück und Hilfe eines kleinen Jungen fanden wir auch noch ein Fast-Food Restaurant, wo wir unsren Hunger stillen konnten.

Die „Location“, genannt TStube, sah etwas verfallen aus, wie ein Schuppen. Zudem gab es nur Bier, mit dem ich mich aber auch zufrieden stellen konnte. Ich stand auf der Gästeliste, also ging es auch schnell ins Warme. Diesmal gab es sogar eine kleine Vorband, Misses Next Match ihr Name. Dem Plakat nach bewegten sie sich irgendwo zwischen Indie, Elektro und Lo-Fi, was ich nur wage bestätigen kann. Naja, am Anfang hatten sie mit einigen Soundproblemen zu kämpfen, deren Behebung ihren Klang aber auch nicht wirklich verbesserte. Am Ende ließen sie ihre Gitarren weg und spielten zu zweit am MicroKorg und einen Roland SP-555 Sampler rum, was mich sehr verwunderte, da es wirklich gut klang. Kurze Umbaupause und Bratze standen auf der Bühne.

Selbiges Intro und eine kurze Einleitung von Norman („Es ist schön wieder zu Hause zu sein“) eröffneten das Konzert. Vom Set genau wie am Vortag, das einzige was sich von Husum unterschied war eindeutig das Publikum, das mich ein wenig angenervt hat. Egal. Trotzdem war es genial. Es wurden zwei Zugaben gefordert, die Kevin und Norman auch gerne spielten, auch wenn sie wegen Mangel an Songs „Hightowers Herz“ zweimal spielen mussten. Irgendwann war dann auch Schluss für den Abend. Bratze verzogen sie in den „VIP“- Bereich hinter der Bühne und ich musste drauf warten abgeholt zu werden. Somit ging nicht nur der Abend sondern auch ein verdammt geiles Wochenende zu Ende. Auf eine Wiederholung!

(Marcel)